Marion Grinzinger

Eltern sehen, hören, stärken

September 2025

„Eltern sehen, hören, stärken“ – Wie Marion Grinzinger Familien mit dialogischer Haltung begleitet

Marion Grinzinger leitet den K.I.D.S. Familienstützpunkt Nord/West in Augsburg und ist seit 2022 qualifizierte Elternbegleiterin. Im Interview berichtet sie, wie sehr die Weiterbildung ihre tägliche Arbeit bereichert – von der ressourcenorientierten Begleitung von Familien bis hin zur Netzwerkarbeit. Sie erklärt, warum die dialogische Haltung für sie zur Grundhaltung geworden ist und was sie sich für die Zukunft der Elternbegleitung wünscht.

Sie sind aufgefallen, weil sie eine gewisse Energie ausstrahlen, die bei Elternbegleitung häufig mitschwingt und zugleich verblüffend ist, sie über die Distanz zu spüren. Sie sind aktuell gut vernetzt mit Elternbegleiterinnen aus Ihrer Qualifizierung. Wie tauschen Sie sich aus und worüber tauschen Sie sich aus?

Ich habe die Qualifikation zur Elternbegleiterin 2022 gemacht. Wir haben eine WhatsApp Gruppe beim ersten Präsenztreffen gegründet und seitdem stehen wir im Austausch über Ideen bspw. für Elternabende. Daraus entstehen gute Sachen. Selbst wenn ich keinen Beitrag leiste, lese ich die Sachen der anderen und werde inspiriert.

Wir schaffen es auch, zumindest die Hälfte der Gruppe, dass wir uns einmal im Jahr in Präsenz treffen – selbstorganisiert.  

Ich bin zur Qualifikation nach Schweinfurt gefahren und kannte niemanden. Im Nachgang hat sich herausgestellt, dass es jeder so gegangen ist. Jede hat sich gefragt, was kommt da auf mich zu? Wir sind so unterschiedlich, sei es vom Alter und von den Qualifikationen, den Aufgabengebieten und vom beruflichen Kontext. Wir haben festgestellt, dass die Regularien in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich sind – und trotzdem sind wir eine tolle Gruppe gewesen.

Das Profil Elternbegleitung ist facettenreich. Allen gemeinsam ist der Kontakt zu Familien. Wo arbeiten Sie?

Ich leite einen K.I.D.S. Familienstützpunkt in Augsburg. Graceland ist ein evangelischer Träger. Augsburg hat die Familienbildung an freie Träger weitergegeben. In Augsburg gibt es mittlerweile 16 Familienstützpunkte, davon sind 4 K.I.D.S. Familienstützpunkte und davon leite ich einen, den K.I.D.S. Familienstützpunkt Nord/West. Ich betreue einen großen Sozialraum.

Was kennzeichnet den Sozialraum? Welche Familien leben in dem Sozialraum?

Wir haben sehr viele Familien mit vielen Kindern und wir haben ein sehr gemischtes Klientel. Augsburg ist eine Stadt, schon immer gewesen, mit einem hohen wahnsinnig hohen Migrationsanteil. Unsere Klientel ist das gesamte Spektrum, überwiegend Familien mit mehr Kindern.

Sind Sie konkret in der Elternbegleitung tätig? Wie nehmen Sie von der Qualifikation Elternbegleitung Gebrauch?

Zu mir kommen Eltern, die Unterstützung brauchen. Unterstützung hört sich immer so problemorientiert an. Ich sage immer, ich arbeite ressourcenorientiert. Ich möchte Familien darin unterstützen, sie zu sehen, zu hören und mit Ihnen herausfinden, wo ihre Stärken liegen und Eltern in ihren erzieherischen Kompetenzen stärken und fördern. Dabei sind die Methoden aus dem Elternbegleiter-Kurs Alltag, dass ich sie praktisch anwende. Die dialogische Haltung ist das A und O, das ist die Grundlage. Aber auch die verschiedenen Methoden, das Berliner Modell zum Beispiel: Was brauchst du? Und was noch und was noch? – die ich in meiner täglichen Arbeit anwende. Diese Methoden merke ich zunehmend, dass ich die nicht nur im Umgang mit Familien verwende, sondern auch bei meiner Netzwerkarbeit – eigentlich überall.

Sind Sie einem regionalen Netzwerk Elternbegleitung angeschlossen?

Einem regionalen Netzwerk Elternbegleitung bin ich nicht angeschlossen. Ich kenne allerdings einige Elternbegleiterinnen in Augsburg, die die Weiterbildung vor und nach mir gemacht haben, und stehe im selbstorganisierten Austausch mit Elternbegleiterinnen, die auch einen Familienstützpunkt leiten.

Sie haben die Qualifikation zur Elternbegleiterin 2022 gemacht. Welches Thema wünschen Sie sich für die Weiterentwicklung der Elternbegleitung?

Die vier Themenfelder im „Update Elternbegleitung“ sind ausreichend umfangreich. Dadurch, dass auf die Modelle (z.B. das Berliner Modell) eingegangen wird, ist es gut möglich, in die Transition zu gehen. Es ist gut und wichtig, die Grundlagen zu vertiefen und regelmäßig anzuwenden. Ich würde in der Vertiefung bleiben. Erweiterungen verwässern die Inhalte. Lieber in der Tiefe lassen und dadurch eine gute Transition ermöglichen.

Meine Qualifikation war hybrid, in Präsenz und zweimal online – über mehrere Monate. Im Gegensatz zu einer zweitägigen Fortbildung sind die Inhalte wirklich verfestigt worden und das, finde ich, ist der absolute Mehrwert daran.

Wissen Sie von Präsenz- und Netzwerktreffen Elternbegleitung? Wie wünschen Sie sich informiert zu werden?

Leider nicht. E-Mail finde ich für mein berufliches Tun optimal. Veranstaltungen sind immer eine Terminfrage. Der Termin muss passen. Was ich gelesen habe, da gibt’s online ein Angebot, wie ich die dialogische Haltung meinen Kolleginnen näherbringen kann. Daran möchte ich teilnehmen.

Ich merke, die Weiterbildung zur Elternbegleiterin war toll. Bestimmte Sachen möchte ich gerne meinen Mitarbeiterinnen konkret weitergeben. Es nützt nichts, wenn ich sage, das ist die Dialogische Haltung. Ich erwarte mir von einem Treffen Elternbegleitung, dass ich ein Tool an die Hand bekomme, das ich meinen Mitarbeitenden gut rüberbringen kann.

Es freut mich zu hören, dass Sie Methoden und Erkenntnisse aus der Qualifizierung zur Elternbegleitung in unterschiedlichen Situationen anwenden. Was kann unternommen werden, damit Elternbegleitung sich festigt?

Ein Punkt, der mir wichtig ist, ist Netzwerkarbeit. Netzwerkarbeit habe ich auch vorher schon betrieben. Netzwerkarbeit ist zeitintensiv, wenn man sie gut machen will. Vor der Weiterbildung hatte ich oft ein schlechtes Gewissen, wenn ich an Koordinationstreffen teilgenommen habe und nicht vor Ort im Familienstützpunkt war. Jetzt kann ich vollumfänglich dahinterstehen und sagen, ich muss da teilnehmen, damit ich meine Arbeit weiterhin gut machen kann. Die Stadt Augsburg hat zufällig dazu einen Input gegeben, der in die gleiche Richtung ging, wie wichtig die Netzwerkarbeit ist. Das erleichtert es, meinem Träger dazulegen, ich brauche soviel Zeit für Netzwerkarbeit.

Was macht die Teilnahme an Netzwerktreffen so wertvoll?

Dadurch, dass ich gut vernetzt bin und die Personen hinter den Angeboten persönlich kenne, kann ich Eltern mit Unterstützungsbedarf besser lotsen. Durch diese Verbindung trauen sich Eltern eher irgendwo anzurufen und Unterstützung und Familienleistungen in Anspruch zu nehmen. Das ist das gute Recht von Familien, dadurch kann ich Familien besser stärken. Das ist der eine Punkt.

Der andere Punkt ist, dass ich durch den Umgang und Kontakt mit Familien und zusätzlich durch die Netzwerkarbeit im Kontakt mit anderen auch die Bedarfe besser wahrnehmen kann. Das ist für mich eine Geschichte, ich mag nicht auf der Stelle stehen bleiben, ich mag Visionen entwickeln und dazu trägt für mich die Netzwerkarbeit bei. Ich habe eine Idee und Erkenntnis und möchte etwas daraus entwickeln.

Weiterentwicklung ist wichtig. Weiterentwicklung ist ein Qualitätsmerkmal für die Arbeit. Ich möchte das Stichwort Vision gerne aufgreifen: Welchen Wunsch haben Sie an Elternbegleitung?

Wenn ich im Kontakt bin mit jüngeren Fachkräften sei es in Kita, sei es Studenten, Studentinnen, qualifikationsunabhängig, würde ich mir mehr Methodeninhalte in deren Ausbildung wünschen – gerade dialogische Haltung nicht nur theoretisch für die Prüfung zu lernen – sondern es wirklich zu verinnerlichen.

Ich glaube, das ist eine meiner besten Weiterbildungen, die ich in meinem beruflichen Leben gemacht hat, weil soviel hängen geblieben ist. Das wäre bestimmt in jüngeren Jahren für mich auch wertvoll gewesen. Für mich persönlich glaube ich, dass ich es für meine Biographie am richtigen Punkt gemacht haben. Ich möchte noch etwas zu den Referenten sagen. Ich habe den Kurs gemacht bei Goska und Keren, die beiden haben es megatoll gemacht. Ich bin in Augsburg mit mehreren Elternbegleiterinnen in Austausch, die auch bei Goska waren. Und ich merke bei meinen Kolleginnen, dass sie die dialogische Haltung auch verinnerlicht haben.

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