Lydia Bagola

Welchen Mehrwert hat Elternbegleitung für Ihren Sozialraum und die Familien?

Elternbegleiter:innen berichten mir immer wieder davon, dass sich ihre Haltung gegenüber den Familien durch die Qualifizierung verändert hat. Sie haben gelernt, viel dialogischer und offener auf die Eltern zuzugehen und auf ihre Fragestellungen zu reagieren. Neue Sichtweisen und Einstellungen zu Themen wie Zuwanderung und Sprachbarrieren sowie eine Offenheit für neue Ideen eröffnen natürlich ganz neue Möglichkeiten, Familien in unserem Sozialraum zu unterstützen.  Häufig fehlt es jedoch an den finanziellen und zeitlichen Ressourcen, die Elternbegleitung dann auch gut in den Einrichtungen zu verankern und ihre Inhalte umzusetzen.

Unsere Erzieher:innen, die als Elternbegleiter:innen qualifiziert sind, arbeiten im Rahmen von Förderprogrammen als zusätzliche Fachkraft in den Kitas. Mit dem Landesprogramm „Kiez-Kita – Bildungschancen eröffnen“ werden Kindertageseinrichtungen darin gestärkt, ein lernförderliches Klima für Kinder aus unterschiedlichen familiären wie sozialen Situationen zu schaffen. Das Bundesprogramm „Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“ fördert die sprachliche Bildung von Kindern im Alltag. Die Elternbegleiter:innen aus diesen Programmen sind in ihren Einrichtungen nicht Teil des pädagogischen Personalschlüssels oder in feste Gruppenstrukturen eingebunden, sondern verfügen über eine freie Zeiteinteilung. Das eröffnet ihnen die Möglichkeit, die Inhalte der Elternbegleitung gut in ihre Arbeit gegenüber den Familien und dem Kollegenkreis einzubinden.

Wie können Sie mit Hilfe kommunaler Strukturen und anderen Partnern Elternbegleiter:innen in ihrer täglichen Arbeit unterstützen?

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Elternbegleiter:innen ihr Wissen oft nur begrenzt auf ihre eigene Kita-Gruppe oder familienbildende Einrichtung einsetzen können. Das liegt daran, dass sie als Erzieher:in angestellt sind und bei dem aktuellen Personalschlüssel keine Zeit mehr haben, über das direkte Gruppenumfeld hinaus im Arbeitsfeld der Elternbegleitung aktiv zu sein. Damit verspielen wir die Chance, die Elternbegleitung zusammen weiterzuentwickeln. Mein Ziel ist es deswegen, die Elternbegleiter:innen mit anderen verschiedenen Projektmitarbeiterinnen und -mitarbeitern, z. B. den Sprach- und Kiez-Kitas, zu vernetzen, in einen Austausch zu kommen und sich gegenseitig zu unterstützen, um so wiederrum die Kindereinrichtungen in ihrer Arbeit in der Stadt Cottbus zu stärken. Zu Beginn meiner Tätigkeit habe ich dafür mit Unterstützung des Paritätischen Bildungswerks BV e.V. zunächst die qualifizierten Elternbegleiter:innen in Cottbus ausfindig gemacht. Um die Anzahl zu erhöhen, haben wir mit Unterstützung des Jugendamtes weitere Fachkräfte qualifizieren lassen. Alle habe ich dann dazu eingeladen, an einem regionalen Netzwerktreffen teilzunehmen. Das Gründungstreffen hat im Januar 2020 stattgefunden.

Wie wirkt sich die aktuelle Situation aus Ihrer Sicht auf die Arbeit der Elternbegleiter:innen und Ihre Zusammenarbeit mit Ihnen aus?

Corona kam uns dazwischen, als wir gerade angefangen hatten, das regionale Netzwerktreffen zu etablieren –  und alles kam zum Erliegen. Die Hauptaufgabe für die Kitas und für uns als Jugendamt bestand vor allem darin, die Notbetreuung zu organisieren. Da war leider keine Zeit, die Elternbegleitung und unsere Zusammenarbeit weiter auszubauen. Ein zweites Netzwerkreffen ist aber fest geplant.

Was war ein besonderer Moment in Ihrer Zusammenarbeit mit Elternbegleiter:innen?

Es hat mich sehr überrascht, wie viele Interessent:innen sich gemeldet haben, als ich für einen Qualifizierungskurs geworben habe. Am Ende hatten wir sogar zu wenig Plätze. Eine Person musste dann nach Dresden ausweichen und hat dort an dem Kurs teilgenommen. Das hat mir gezeigt, wie wichtig und gefragt die Inhalte sind, die im Rahmen der Elternchance vermittelt werden.

 

 

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