Kati Drude

Kati Drude arbeitet als Gesundheits- und Krankenpflegerin auf einer Kinderstation in der Kinder und Jugendpsychiatrie der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf (UKE) und ist eine qualifizierte Elternbegleiterin.

Erzählen Sie bitte von Ihrem Beruf.

Ich bin ausgebildete Kinderkrankenschwester. Seit 2016 habe ich an der Kinderstation Kinder und Jugendpsychiatrie angefangen zu arbeiten. Ich wollte dort immer arbeiten.
Mein Team der Kinderstation setzt sich zusammen aus Ärzten, Erziehern, Fachtherapeuten, Pflegekräften, Psychologen und Sozialpädagogen zusammen. Wir sind ein kleines Team, zehn Mitarbeiter. Wir arbeiten in drei Schichten.

Welche Schwierigkeiten haben die Eltern und Kinder, mit denen Sie täglich in Kontakt sind?

Wir betreuen Kinder im Alter von 6 bis 14 Jahren mit allen psychischen Verhaltensauffälligkeiten und Störungen. Die Kinder werden stationär aufgenommen und die Eltern werden von uns in der Zeit ambulant begleitet. Wir haben 10 Behandlungsplätze und bieten sozialpädagogische Beratung.

In der Pandemie werden die Kinder deutlich schneller krank: Zwangserkrankung, Angststörung, Depressionen. Wir bahandeln auch Kinder mit Autismus oder Systemsprenger.

Es werden mehr Kinder noch in eine Therapie gehen, wenn die Pandemie zu Ende geht. Wenn die Kinder wieder in die Schule gehen müssen. Viele unserer Pazienten sind Schulverweigerer.

Die Kinder und Familien profitiren von den Angeboten. Sie werden damit konfrontiert, wie lange es schon die Probleme gibt. Wir schauen darauf, was zeigt die Dynamik in einer Familie, bei dem bahandelten Kind.

Es gibt auch Fälle, wo Kinder sich nicht sicher zu Hause fühlen. Oft sind die Eltern selbst schwer balastet oder psychisch erkrankt. In solchen Fällen sind die Kinder noch stärker gefährtet. Da bieten wir eine enge Unterstützung der Eltern.  

Warum wollten Sie die Qualifizierung zur Elternbegleiterin manchen?

Zu allererst habe ich bemerkt, dass wir im Vordergrund auf die Probleme der Kinder fokussiert waren und das war nicht ausreichend. Die Eltern sollten auch die Chance bekommen, begleitet zu werden. Oft kommen die Eltern schon sehr belastet zu uns. Sie haben Schuld und Schamgefühle, das ihr Kind erkrankt ist. Es ist für Eltern eine gefühlte Bankrotterklärung. Leider ist es so, dass entweder die Eltern keine Erfahrung mit der Elternarbeit haben, oder war sie nicht hilfreich.

Ich hatte das Gefühl, die Eltern brauchen die gleiche intensive Betreuung wie ihre Kinder. Das ist wichtig, damit sie sich gut orientieren können. Die Kinder haben gute Unterstützung bekommen aber zu Hause konnten sie das nicht umsetzen. Vieles hat mit den Reaktionen der Eltern zu tun. Ich habe bemerkt, dass die Eltern auch Hilfe und Schutz in ihrer Lage brauchen, damit sie die negativen Gefühle verkraften können. Damit sie wieder Zuversicht gewinnen können ihre Familien zu stärken. Ich habe die Qualifizierung zur Elternbegleiterung gemacht, weil mir die Methoden in der Elternarbeit fehlten.

Und diese konnten Sie aus der Qualifizierung mitnehmen?

Ja, ich konnte das. Eine wirklich großartige Maßnahme!

Ich habe viele neue Methoden in der Arbeit mit Eltern gelernt. Ich wünsche mir neue Erfrischungskurse, weil es immer wieder neue Impulse braucht, um Eltern verstehen zu können. Das macht mir viel Freude mit den Eltern zusammen zu arbeiten. Ich habe bis jetzt alle Eltern erreichen können.  

Es gibt auch schwierige Elternfaktoren. Wenn Eltern nicht gleich so reagieren, wie man sich das erwünscht. Wenn sie nicht mitarbieten. Ich versuche zu erklären, dass sie jetzt in Not sind, dass sie anerkennen, dass sie gebraucht sind. Ich merke große Entlastung bei den Eltern, wenn ich ihnen sage, es gibt kein richtig oder falsch. Ich suche gemeinsam mit den Eltern nach Lösungen.

Den Zugang zu Eltern, Methoden, das komplette Werkzeug für die Elternarbeit, die dialogische Haltung, das alles konnte ich aus der Qualifizierung mitnehmen.

Wenn Sie einen Tipp für Ihre Kolleginen und Kollegen geben würden, was wäre das?

Es ist nicht einfach, weil es so viele Sachen sind, die ich gern geben würde.

Am allerwichtigsten ist, den Eltern zu vermitteln, dass sie die Experten ihrer Kinder sind und das wir sie ohne Bewertung begleiten werden. Das Beurteilen hat nichts mit der Elternarbeit zu tun.

Was braucht Elternbegleitung für ihre Wirksamkeit? Bzw. Welche Strukturen braucht die Elternbegleitung?

Während Ihrer Online-Umfrage haben sie das schon gut erfasst. Ich habe die Ergebnisse an meine Leitung weitergegeben. Ich wünsche mir, dass Krankenkassen erkennen, dass die Eltern auch eng ambulant behandelt werden müssen. Es ist zurzeit nicht bedarfsberecht geregelt.

In der Woche benötige ich zwei Tage, die ich den Eltern zur Verfügung für Gespräche stellen kann. Krisengespräche brauchen viel Zeit. Die Gespräche müssen wöchentlich stattfinden, um die Eltern gut zu versorgen. Ich bräuchte die gleiche Zeit mit den Eltern, die ich für die Kinder habe.

Da ich in einer Klinik arbeite, verfüge ich über gute räumliche Ressourcen. Das ist wichtig für die Elternarbeit. Eine Kita verfügt nicht immer über diese Ressourcen, das gibt es eigentlich nicht in der Kita. Gute Elternbegleitung braucht Räume, Zeit und Öffentlichkeitsarbeit.

Es ist zu wenig bekannt, dass über den Beruf Elternbegleitung. In Berlin werden jetzt Elternbelgeiter:innen in den Grundschulen eingesetzt. Das brauchen wir in Hamburg auch. Es ist wichtig, diesen verstaubten Charakter der Elternarbeit zu erfrischen. Das bietet die Qualifizieurg zur Elternbegleiter:in.  

Auch in den Kitas ist die Elternbegleitung so wichtig, damit die Eltern schon so früh abgeholt werden können, falls Kinder Verhaltensauffälligkeiten aufweisen.

Die Elternbegleitung muss an unterschiedlichen Stellen eingesetzt werden. Eltern können doch nicht immer unterscheiden, was gehört zur Pubertät, was sind angemessende Reaktionen und was sind Verhaltensauffälligkeiten.

 

 

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