Fabian Krainske
Demokratie beginnt im Kleinen
Oktober 2026
Interview mit Fabian Krainske vom Nachbarschaftsheim Wuppertal e.V.
Wie kann Elternbegleitung Fachkräfte in ihrem Alltag unterstützen? Welche Bedeutung haben Demokratiebildung, Vielfalt und Beteiligung in der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien?
Darüber habe ich mit Fabian Krainske vom Nachbarschaftsheim im Wuppertaler Quartier Ostersbaum gesprochen. Als Erzieher arbeitet er sowohl in einer Kindertagesstätte als auch im Bereich Offene Tür mit Kindern und Jugendlichen. Seine Erfahrungen zeigen, wie die Inhalte der Elternbegleitung in die pädagogische Praxis einfließen – und wie wichtig es ist, demokratische Werte im Alltag erlebbar zu machen.
Fabian Krainske, Sie arbeiten als Erzieher in einer Kindertagesstätte und im Bereich Offene Tür des Nachbarschaftsheims Wuppertal. Wie blicken Sie auf die Bedeutung von Elternbegleitung für Ihre Arbeit?
Elternbegleitung ist für mich immens wichtig. Deshalb habe ich mich vor etwa neun oder zehn Jahren für die umfangreiche Weiterbildung entschieden. Vor kurzem habe ich am „Update Elternbegleitung“ teilgenommen, das ursprünglich vor allem für die Rezertifizierung meiner Chefin im Familienzentrum wichtig war.
Ich habe aus der Elternbegleitung und auch aus dem „Update Elternbegleitung“ viel mitnehmen können. Das fließt vor allem in meine tägliche Arbeit im Kindergarten und in die Elterngespräche ein. Wir führen Jahreselterngespräche und teilweise auch Quartalsgespräche, um genau hinzuschauen: Was braucht das Kind? Wo liegen die Herausforderungen? Wie können wir gemeinsam mit den Eltern Lösungen finden?
Gerade in den vergangenen Jahren hat sich der Unterstützungsbedarf vieler Kinder verändert. Ich bin seit 13 Jahren dabei. Früher hatten wir vielleicht pro Jahrgang oder über vier Kindergartenjahre hinweg ein Kind, das besonders herausforderndes Verhalten zeigte. Mittlerweile erleben wir in nahezu jedem Jahrgang ein bis zwei Kinder, bei denen wir regelmäßig mit den Eltern im Austausch sind und nach Ursachen und Lösungen suchen.
Die Anzahl der Kinder mit emotionalen oder sozialen Auffälligkeiten hat aus meiner Sicht besonders seit der Corona-Pandemie zugenommen. Da hilft der Input aus der Elternbegleitung immens.
Sie arbeiten in zwei unterschiedlichen pädagogischen Bereichen. Was zeichnet die Arbeit in der Offenen Tür aus und welche Rolle spielen Eltern dort?
Die Offene Tür ist bei uns grundsätzlich eine elternfreie Zone. Das ist ganz bewusst so gewählt. Im Unterschied zum offenen Ganztag basieren unsere Angebote vollständig auf Freiwilligkeit. Die Kinder und Jugendlichen entscheiden selbst, ob und wann sie zu uns kommen.
Unser Kinderbereich richtet sich an Sechs- bis Zwölfjährige, der Jugendbereich an Jugendliche und junge Erwachsene von 13 bis 21 Jahren. Wir bieten täglich einen Mittagstisch an, bei dem die Kinder für 50 Cent eine warme Mahlzeit bekommen können. Außerdem gibt es Hausaufgabenhilfe, die von tollen Ehrenamtlichen begleitet wird. Nachmittags haben wir ein Programm für die Kinder und an drei Tagen in der Woche zusätzlich Angebote für Jugendliche.
Gerade bei den jüngeren Kindern erleben wir manchmal, dass Eltern sehr stark begleiten möchten. Es gab beispielsweise Situationen, in denen Mütter ihre neunjährigen Kinder noch gefüttert oder auf die Toilette begleitet haben. Da haben wir gesagt: Das muss jetzt nicht unbedingt sein. Wir möchten die Kinder darin unterstützen, selbstständig zu werden.
Deshalb haben wir an einigen Stellen Schilder aufgehängt: „Ab hier schafft es Ihr Kind alleine.“ Das funktioniert sehr gut.
Welche aktuellen Themen beschäftigen Sie und Ihr Team in der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien?
Wir erleben zunehmend antidemokratische Haltungen, auch bei Eltern. Gerade im Bereich der Offenen Tür beschäftigen uns Themen wie Antisemitismus, Alltagsrassismus und Queerfeindlichkeit.
Bei den Jugendlichen geht es beispielsweise darum, im Alltag Haltung zu zeigen. Wenn beim Kartenspielen antisemitische Begriffe verwendet werden oder jemand aus Spaß „H**ler“ ruft, müssen wir klar sagen: Das ist nicht lustig. Wir gehen mit den Jugendlichen ins Gespräch und versuchen, Zusammenhänge zu erklären.
Viele unserer Kinder und Jugendlichen haben einen Migrationshintergrund. Deshalb sprechen wir auch über deutsche Geschichte und darüber, was Ausgrenzung und Verfolgung bedeuten. Ich beziehe dabei manchmal meine eigene Familiengeschichte ein. Mein Großvater war im Krieg in russischer Kriegsgefangenschaft. Gleichzeitig haben viele unserer Jugendlichen selbst Krieg erlebt, beispielsweise diejenigen, die aus Syrien zu uns gekommen sind.
Unsere Kernzielgruppe sind vor allem türkische und kurdische Jugendliche. Da gibt es manchmal auch Konflikte zwischen unterschiedlichen Herkunftsgruppen. Im Alltag erleben wir aber ebenso, dass türkische und kurdische Jugendliche miteinander befreundet sind. Das ist eine positive Erfahrung.
Können Sie ein Beispiel nennen, an dem deutlich wird, wie sich solche Haltungen im Alltag zeigen?
Ein Beispiel ist etwa zwei oder drei Jahre her. Ein Mädchen, damals ungefähr vier Jahre alt, hatte für seine Mutter ein Bild gemalt: ein Haus, eine Wiese, eine Wolke, eine Sonne und einen Regenbogen.
Am nächsten Tag kam die Mutter während der Bringzeit auf unsere Gruppenleitung zu, die selbst einen Migrationshintergrund hat. Die Mutter war sehr aufgebracht und fragte sinngemäß: Warum malen Kinder Regenbögen?
Da ging es um eine queerfeindliche Haltung, die im Quartier leider tief sitzt. Unsere Kollegin war zunächst perplex, konnte die Situation aber auffangen und erklären: Kinder malen Regenbögen. Das ist zunächst einmal ein ganz normales kindliches Motiv.
Wir hatten viele Jahre lang eine Regenbogenflagge am Fahnenmast vor dem Nachbarschaftsheim hängen – vor allem als Zeichen für Toleranz. Die Flagge wurde regelmäßig abgerissen oder es wurde versucht, sie anzuzünden. Wir haben uns davon nicht beirren lassen, neue Flaggen gekauft und immer wieder aufgehängt. Irgendwann wurde in einer Nacht-und-Nebel-Aktion sogar der gesamte Fahnenmast gestohlen und zerstört.
Das ist eine Entwicklung, die mir auch als Privatperson große Sorge bereitet. Nicht nur der Rechtsruck, sondern auch Konflikte innerhalb der unterschiedlichen Zielgruppen. Es sind herausfordernde Zeiten für die Demokratie und für unsere Arbeit.
Wie gehen Sie als Einrichtung mit diesen Herausforderungen um? Haben Sie für sich und Ihr Team eine Haltung oder konkrete Maßnahmen entwickelt?
Wir sind natürlich regelmäßig mit unseren Kindern und Jugendlichen im Gespräch. Das gehört zu unserem pädagogischen Alltag. Gerade jetzt finden bei uns die Wochen der Kinderrechte statt. Wir greifen die Themen auf, machen verschiedene Aktionen und vermitteln den Kindern, welche Rechte sie haben.
Auch Kinderparlamente gehören zu unseren Angeboten. Zur letzten Bundestagswahl haben wir im Kinderbereich eine eigene Kinderwahl organisiert. Die Kinder konnten sich zu Parteien zusammenschließen und ein eigenes Parteiprogramm schreiben. Das war natürlich auf ihre Lebenswelt heruntergebrochen. Die Siegerpartei wollte beispielsweise eine Harry-Potter-Party und ein Memory-Turnier veranstalten.
Im Jugendbereich haben wir die Bundestagswahl nachgespielt – mit Wahlurne, Wahlkabine und anschließender Auszählung. Die Jugendlichen konnten die Parteien wählen, die auch bei der echten Bundestagswahl zur Wahl standen. Im Vorfeld haben wir die Inhalte der Parteien auf Plakaten transparent gemacht, damit die Jugendlichen nachlesen konnten, wofür die Parteien stehen. Auch die AfD haben wir dabei nicht ausgeklammert.
Das Ergebnis hat mich überrascht. Es wurde sehr viel links gewählt. Eine Stimme ging, glaube ich, an die AfD. Die Wahl war anonym. Wir wollen dieses Format zur nächsten Bundestagswahl auf jeden Fall wieder aufgreifen.
Ich finde es wichtig, Kindern und Jugendlichen im Kleinen zu zeigen: Eure Stimme bewegt etwas. Euer Engagement kann etwas verändern. Das ist ein guter erster Schritt, auch gegen geringe Wahlbeteiligungen.
Sie haben die kulturelle Vielfalt im Quartier angesprochen. Wie erleben Sie das Zusammenleben der verschiedenen Gruppen in Ihrer Einrichtung?
Wir haben im Kindergarten in den vergangenen Jahren zunehmend eine sehr gemischte Elternschaft entwickelt. Es gab auch Jahre, in denen wir aufgrund der Anmeldungen fast ausschließlich türkische Kinder hatten. Das war teilweise herausfordernd, weil wir die Kinder immer wieder daran erinnern mussten, Deutsch zu sprechen, damit sich alle verständigen können.
Auch in der Offenen Tür ist die gemeinsame Sprache ein Thema. Bei uns gilt die Regel: Wir sprechen Deutsch. Das hat in keiner Weise etwas mit Rassismus zu tun. Es geht darum, einen gemeinsamen Nenner zu haben und zu verhindern, dass sich jemand ausgeschlossen fühlt.
Meine Chefin, die Leitung des Familienzentrums, hat es in den vergangenen Jahren gut geschafft, eine sehr gemischte Gruppe aufzubauen – mit deutschen Kindern und Kindern mit Migrationshintergrund. Das ist eine positive Entwicklung.
Auch im Jugendbereich geht es in die richtige Richtung. Wir haben zunehmend weniger Probleme mit Gewalt. Das liegt wahrscheinlich auch an unserem pädagogischen Konzept.
Sie sprechen das pädagogische Konzept an. Was steckt dahinter und wie wirkt es sich auf das Miteinander aus?
Wir arbeiten mit Auszügen der konfrontativen Pädagogik. Wenn man diesen Begriff googelt, stößt man schnell auf den Ursprung im Strafvollzug und auf Methoden wie den „heißen Stuhl“. Das ist nicht das, was wir machen.
Wir haben das Konzept für unsere Arbeit heruntergebrochen. Wir schließen mit den Kindern und Jugendlichen Vereinbarungen ab. Es gibt einen Vertrag für den Kinderbereich und einen für den Jugendbereich. Die Kinder und Jugendlichen unterschreiben diese Vereinbarungen, nachdem wir sie gemeinsam durchgegangen sind. Auch wir als Mitarbeitende unterschreiben.
Darin geht es um den Umgang miteinander, den Umgang mit unseren Gegenständen und die Räumlichkeiten, die betreten werden dürfen. Letztlich geht es darum, ein schönes gemeinsames Miteinander zu schaffen, in dem sich niemand ausgeschlossen fühlt.
Eine Regel im Jugendbereich lautet beispielsweise: Wir tolerieren keine „Spaßkloppe“. Wer sich aus Spaß schlägt, muss bei uns eine Stunde die Einrichtung verlassen. Auch wer andere provoziert, muss unter Umständen für eine Stunde raus. Denn häufig geht einer Schlägerei eine Provokation voraus.
Im Kinderbereich arbeiten wir mit einem Kartenprinzip, ähnlich wie beim Fußball. Bei einem Regelverstoß gibt es eine gelbe Karte. Das Kind muss die Einrichtung für 15 Minuten verlassen. Wenn es danach wieder angemessen mit den anderen umgeht, ist die Sache erledigt. Bei einem erneuten Verstoß wird daraus eine gelb-rote Karte und das Kind muss die Einrichtung für den restlichen Tag verlassen. Bei wiederholten roten Karten laden wir die Eltern zu einem Gespräch ein.
Das funktioniert gut und wird vergleichsweise selten angewendet. Früher ging es in der Einrichtung deutlich turbulenter zu. Es flogen Tische und Stühle, es gab handfeste Schlägereien. Seit wir mit diesem pädagogischen Ansatz arbeiten, hat sich das Miteinander stark verbessert.
Ich habe in meinen 13 Jahren im Jugendbereich nur eine einzige größere Schlägerei erlebt, bei der ich tatsächlich dazwischen gehen musste. Ansonsten ist es ein recht friedliches und freundliches Miteinander.
Gibt es weitere positive Entwicklungen in Ihrer Arbeit?
Ja, auf jeden Fall. Wir erreichen seit ein bis zwei Jahren endlich auch mehr Mädchen im Jugendbereich. Das war über Jahre eine Querschnittsaufgabe der Stadt Wuppertal: Wie erreichen wir jugendliche Mädchen ab 15 Jahren in Jugendzentren und Offenen Türen?
Meine Kollegin hat sich schon vor längerer Zeit auf den Weg gemacht, eine Mädchengruppe beziehungsweise zwei Mädchengruppen aufzubauen. Eine Gruppe richtet sich an Mädchen von etwa acht bis zwölf Jahren. Wenn sie älter werden, können sie in die Teenie-Mädchengruppe wechseln.
Dienstagsabends ist die erste Hälfte unseres Jugendbereichs exklusiv für Mädchen. In den Anfängen standen die Jungen noch vor der Tür und wollten hineinsehen. Mittlerweile ist das kein Thema mehr.
Die Mädchen sind älter geworden und besuchen inzwischen auch den regulären Jugendbereich. Sie sind zwischen 16 und 19 Jahre alt. Die Jungen akzeptieren sie, ohne sexistische Sprüche oder Ähnliches zu machen. Anfangs war es eher ein Nebeneinander: Die Jungen waren da, die Mädchen waren da. Mittlerweile mischt sich das. Sie spielen gemeinsam Billard und treten miteinander in Kontakt. Das ist eine sehr positive Entwicklung.
Sie haben viele verschiedene Angebote im Nachbarschaftsheim angesprochen. Welche Bedeutung hat die Vielfalt der Angebote für die Arbeit mit Familien?
Wir haben hier ein sehr breites Angebot. Mein Chef sagt immer: „Angebote von der Wiege bis zur Bahre“. Es ist tatsächlich für jeden etwas dabei – von der Krabbelgruppe für Einjährige bis zur Demenzgruppe.
Wir haben Sprachkurse, Eltern-Kind-Gruppen, Elterncafés und Sprachcafés. Auch im Familienzentrum gibt es Angebote, die von ehemaligen Müttern aus unserem Kindergarten geleitet werden. Eine Mutter türkisch-kurdischen Ursprungs bietet beispielsweise ein Angebot an und schafft damit eine wichtige Brücke zu anderen Familien.
Ich glaube, das ist eine sehr spannende Entwicklung. Gerade im Bereich Elternarbeit sind wir schon gut aufgestellt. Auch wenn ich selbst als Praktiker nicht in erster Linie für die Elternarbeit zuständig bin, profitieren wir als Haus von diesen Angeboten.
Sie haben kürzlich am Update für Elternbegleiterinnen und Elternbegleiter teilgenommen. Wie haben Sie die Weiterbildung erlebt?
Ich fand die Workshops unterschiedlich gut. Besonders die ersten drei Workshops haben mir gefallen, weil ich gerne im Austausch mit Kolleginnen und Kollegen bin. Wir wurden immer wieder in Kleingruppen eingeteilt, haben zu verschiedenen Themen in Zweier-, Dreier- oder Vierergruppen gearbeitet. Das hat mir sehr gut gefallen.
Das Update hat mir außerdem ein gutes Gefühl gegeben. Es kamen immer wieder Themen auf, bei denen ich dachte: Das machen wir ja bereits als Haus.
Ich glaube, dass wir hier im Quartier Ostersbaum als Nachbarschaftsheim eine gute Arbeit leisten. Wir haben viele Angebote und erreichen unterschiedliche Zielgruppen. Das wurde mir durch die Workshops noch einmal bewusst.
Der letzte Workshop war für mich persönlich etwas weniger ergiebig. Da ging es unter anderem um Canva als Tool für Flyer und Plakate. Damit arbeite ich seit Jahren. Auch das Thema Öffentlichkeitsarbeit ist nicht mein Schwerpunkt, weil ich eher der Praktiker bin. Andere Kolleginnen und Kollegen haben aus diesem Workshop aber sehr viel mitgenommen. Das zeigt auch, wie unterschiedlich die Rollen und Bedarfe in der Elternbegleiterschaft sind.
Wenn Sie das Update in einem Satz zusammenfassen müssten: Was nehmen Sie mit?
„Wir sind auf einem sehr guten Weg.“
Das Update Elternbegleitung hat mir bestätigt, dass wir als Nachbarschaftsheim und mit unseren unterschiedlichen Fachbereichen auf einem sehr guten Weg sind. Wir leisten bereits viel im Bereich Elternarbeit, Beteiligung und demokratischer Bildung. Das gibt mir ein gutes Gefühl und motiviert mich, weiterzumachen.
Das Nachbarschaftsheim Wuppertal ist ein gemeinnütziger Verein, freier sozialer Träger, Mitglied im paritätischen Wohlfahrtsverband, eines von 530 Mehrgenerationenhäusern des Bundes, zertifiziertes Familienzentrum, interkulturelles Zentrum und vieles mehr.
nachbarschaftsheim-wuppertal.de
Vielen Dank für das Gespräch und die Einblicke in Ihre Arbeit. Wir wünschen Ihnen und Ihrem Team weiterhin viel Erfolg und alles Gute! Das Gespräch führte Julia Hartwig-Selmeier von der Servicestelle ElternChanceN.
Die „Deutsche Liga für das Kind e.V.“ ist die Lobby für Kinder. Haben Sie den Eindruck, dass die Stimme für das Kind laut genug ist?
Wir sind eine Stimme unter vielen, aber eine wichtige. Insgesamt findet die Lobby für Kinder in unserer Gesellschaft zu wenig Gehör. Aktuell gibt es so viele Krisen, dass die Themen Kindheit und Bildung leider viel zu schnell in den Hintergrund geraten. Kinder können sich in der Öffentlichkeit nicht selbst vertreten, deshalb müssen wir Erwachsene das tun. Der Soziologe und Bildungsforscher Aladin El-Mafaalani schafft es als einer der wenigen gut, Kindheitsthemen öffentlich zu platzieren. Die Bildungsexpertin Ilse Wehrmann aus Bremen, Erziehungswissenschaftlerin Rahel Dreyer aus Berlin oder der Pädagoge Wassilios Fthenakis aus München sind ebenso in den Medien präsent.
Sie haben es eingangs angesprochen, dass Sie auf aktuelle Entwicklungen eingehen. Welche Rolle spielen jüngste Veröffentlichungen – beispielsweise die PISA-Studie?
Die Ergebnisse der aktuellen PISA-Studie sind erschreckend und alarmierend. Sie bestätigen erneut die Bildungsungerechtigkeit unseres Schulsystems und zeigen auf, wie wichtig frühkindliche Bildung ist. Wenn wir als Gesellschaft viel stärker in die ersten zehn Lebensjahre eines Kindes investieren würden – also in Kitas und Grundschulen –, dann wären bessere Ergebnisse zu erwarten. Die „Deutsche Liga für das Kind“ greift solche Studien natürlich in ihrer Arbeit auf und bezieht dazu Stellung.
Am 20. September ist Weltkindertag. Das Gespräch mit Monika Janzer von der „Deutschen Liga für das Kind in Familie und Gesellschaft e.V.“ wird anlässlich des Weltkindertages veröffentlicht. Herzlichen Dank für Ihre Zeit und Perspektive.
Deutsche Liga für das Kind e.V. www.liga-kind.de
Das Gespräch führte Julia Hartwig-Selmeier von der Servicestelle ElternChanceN. Die Servicestelle ist angesiedelt bei der Stiftung SPI. Die Stiftung SPI ist eine intermediäre Instanz zwischen Politik, Verwaltung und Praxis. Der Geschäftsbereich Strategien sozialer Integration versteht sich als Fachinstitut und Wissensknotenpunkt mit dem Anspruch, Wissen zu teilen, fortzuschreiben und zu vermitteln.