Anne Nagel

Rückblick auf die Regionalkonferenz Elternbegleitung

Dezember 2024

Anne Nagel koordiniert das ElternChanceN-Netzwerk in Kassel. Sie hat mit den beiden Elternbegleiter:innen im Projekt „Elternbegleitung an Kasseler Grundschulen“ an der Regionalkonferenz Elternbegleitung am 28.11.2024 in Halle an der Saale teilgenommen. 

Welche Themen und Fragestellungen standen für Sie im Mittelpunkt der Regionalkonferenz in Halle und warum?

Ich habe gleich als erstes den Workshop zur kommunalen Einbindung von Elternbegleitung angesteuert. Es ist die größte Herausforderung in unserem Projekt, denn die vielen Elternbegleiter*innen in unserer Region sind alle in verschiedensten Institutionen verstreut. Ich treffe viele in den AGs und Netzwerken der Kommune, z.B. bei den Frühen Hilfen, Präventionsketten oder auch in Netzwerken auf Stadtteilebene. Aber dass sie Elternbegleiter*innen sind, steht ihnen ja nicht ins Gesicht geschrieben, also ist es eine Herkulesaufgabe, sie für das Jugendamt sichtbar und ihren besonderen Blick auf Familien verständlich zu machen. Ich profitiere also von allen Standorten, die mir da Anregungen geben können. Und ich bin sehr an den konkreten Formaten der Elternbegleitung beim Übergang in die Grundschule der anderen Projekte interessiert. Wir bringen da selber sehr viel Expertise mit, aber wir probieren auch immer gern Neues aus – verbessern kann man sich immer! 

Mit welchen Erwartungen sind Sie nach Halle gefahren, und inwiefern wurden diese während der Konferenz erfüllt?

Ehrlich gesagt, hatte ich keine großen Erwartungen, ich habe mich für meine beiden Kolleginnen gefreut, dass sie mitkommen konnten. Für sie war das neu. Ich fahre seit über 10 Jahren als Projektkoordination meist zu den jährlichen Programm-Konferenzen nach Berlin und habe da ein wenig „Abnutzungserscheinungen“. Oftmals fehlte mir der Platz für den Austausch untereinander an den Themen, die mir oder anderen Projekten unter den Nägeln brennen. Für erfahrene Koordinationskräfte war dann in den Workshopangeboten nicht immer etwas dabei. Aber: Die Veranstaltung in Halle hat mich sehr begeistert und motiviert.

Mir geht es ja nicht anders als den Familien, die wir begleiten: Sie denken sie sind mit ihren Problemen allein und fühlen sich ab und zu überfordert, den Blick auf die eigenen Ressourcen manchmal verstellt. Was sie brauchen, ist ein offenes Ohr, gemeinsamen Austausch, das Gefühl, mit den Herausforderungen nicht allein zu sein und Anregungen, vielleicht mal Neues auszuprobieren, was in das eigene Leben passt. Das unterscheidet sich nicht von so einem Projekt. Dass dem in Halle so viel Raum gegeben wurde und damit die Form der Veranstaltung genau das Konzept „Elternbegleitung“ als „Projektbegleitung“ umsetzt, war eine sehr schöne Erfahrung. Und dann sind meine Kolleginnen und ich noch mit Anregungen für neue Formate im Gepäck nach Hause gefahren. 

Gab es konkrete Impulse oder Erkenntnisse aus dem Austausch, die Sie direkt in Ihre Arbeit im Projekt „Elternbegleitung an Kasseler Grundschulen“ integrieren können?

Ja, wir werden uns in dem einen Berliner Projekt nach dem Plakat erkundigen, das Eltern bildlich den Weg des Eingangs in die Grundschule aufzeigt und versuchen, es für Kassel anzupassen. Überhaupt werden wir im Team nochmal die verschiedenen Angebotsformate aus dem Workshop „Erfahrungsaustausch“ anschauen und überlegen, was ausprobiert werden kann. Und da ich öfter in Berlin bin, habe ich mir auch überlegt, meinen nächsten Besuch zu nutzen, um vielleicht ein Projekt dort zu besuchen und sich nochmal auszutauschen.

Auch für meine Netzwerkarbeit habe ich Anregungen mitgenommen: Ich kann mir vorstellen zum Abschluss der Förderperiode eine größere Veranstaltung zu organisieren und andere Projekte dazu einzuladen. Wir haben ja einen kleinen Hessenverbund, der sich regelmäßig austauscht, aber auch Projekte, die ich auf der Konferenz in Halle kennengelernt habe, kann ich mir dort gut vorstellen, um auf der Ebene der kommunalen Einbindung nochmal ein bisschen weiterzukommen.   

Sie haben die Veranstaltung als „beglückt“ beschrieben. Was war für Sie der wichtigste Moment oder die wertvollste Erfahrung während der Konferenz?

  1. Also auch hier nochmal: So viel Zeit für einen qualifizierten Austausch, der an den Fragen und Herausforderungen der Projekte orientiert war.
  2. Zu sehen, wieviel Spaß meine Kolleginnen hatten und wie bestätigend es für sie war, von ihren Erfahrungen und Erfolgen berichten zu können.

Welche langfristigen Perspektiven oder Entwicklungen sehen Sie für das ElternChanceN-Netzwerk nach dieser Regionalkonferenz?

Ich gehe mal davon aus, Sie meinen den Austausch untereinander. Das ist nicht ganz einfach. Ich für meinen Teil profitiere sehr von den Kontakten, die ich über das Netzwerk / die Tandems inzwischen habe. Diese werden hoffentlich auch überdauern, selbst wenn wir nicht in die nächste Förderphase kämen, oder insgesamt die Förderung endet. Und zu hoffen ist, dass die digitalen Austauschmöglichkeiten bleiben, denn sie ermöglichen einen guten niederschwelligen Zugang zu vielen Themen.

Fakt ist aber auch, dass Elternbegleiter*innen bei freien Trägern, sofern sie nicht in solche Projekte und die damit verbundenen Finanzierungen eingebunden sind, diese Möglichkeiten dann nur noch eingeschränkt wahrnehmen können.

Generell finde ich dieses in Halle gewählte Format sehr produktiv und es wird bei mir im Vergleich mit den letzten Bundeskonferenzen zur Aufrechterhaltung von mehr Kontakten führen, also letztlich nachhaltiger sein, weil ich die anderen Projekte besser kennenlernen konnte und weiß, wen ich für welche Fragen nochmal anrufen kann.

Wünschen würde ich mir tatsächlich eine weiterhin bestehende Qualifizierungsmöglichkeit, und die verbindliche Verankerung der Qualifizierung in bestimmten Tätigkeitsfeldern insbesondere in der formalen Bildung, wie z.B. Kita- und Schulsozialarbeit, Ganztagskoordination und ähnlichem.

Ob das eine Antwort auf ihre Frage ist?  – Ich weiß es nicht.

Zum Projektsteckbrief "Elternbegleitung an Kasseler Grundschulen"

 

 

 

Schließen

Cookiehinweis

Elternchancen.de verwendet Cookies, um ein reibungsloses Funktionieren unserer Plattform zu gewährleisten (technisch notwendige Cookies). Darüber hinaus bitten wir um Ihre Zustimmung zur Verwendung von Cookies zu Analysezwecken und Verbesserung der Plattform (statistische Cookies).