Angela Wilhelms

Langjährige Praxis in der Elternbegleitung

Angela Wilhelms ist Netzwerkkoordinatorin bei der Vereinigten Evangelischen Gemeinde Bremen-Neustadt (VEG) bereits seit der ersten Förderphase im ESF-Plus-Programm „ElternChanceN“. Das Netzwerk Elternbegleitung in Bremen ist breit aufgestellt und erfolgreich etabliert.

Frau Wilhelms, Sie waren bereits in der ersten Förderphase als Netzwerkkoordination des Projektes in Bremen tätig. Gibt es etwas, was sich in der Elternbegleitung in der zweiten Förderphase für Sie oder für das Projekt geändert hat? 

Ja, auf der Basis des ersten Förderzeitraums konnten wir unsere Netzwerkaktivitäten zunehmend in Bezug auf eine kollegiale Beratung und Zusammenarbeit der beteiligten Institutionen ausbauen und vertiefen. Wir haben weitere Partner hinzugewinnen können, vor allem 2 weitere Kitas und Gesundheitsfachkräfte. Außerdem sind Eltern als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren gewonnen worden, die aus dem Iran und der Türkei kommen.

Wie hat sich das Netzwerk Elternbegleitung weiterentwickelt? Wie sind Sie vorgegangen?

Zum Ausbau der Präventionskette wurde das Fachteam Gesundheit um drei Partner erweitert und in Richtung kollegialer Beratung weiterentwickelt.  Mit zwei neuen Kinder- und Familienzentren in der Gartenstadt Süd und in Kattenturm, einem benachbarten Stadtteil wurden neue Angebote für Eltern und Kinder mit dem Schwerpunkt Familienspiele (Kita Thedinghauserstr. und Familienexkursionen (Kita Stichnathstr.) entwickelt. Eine weitere Einrichtung, die Frühförderung anbietet kam hinzu. 

Die Netzwerkpartner aus der Förderphase 1 sind weiterhin dabei und unterstützen den SelbstLernverbund. Hier sind vor allem auch die Stadtbibliothek, die Landesvereinigung für Gesundheit Bremen Niedersachsen und die landwirtschaftlichen Betriebe als neuartige Lernorte für Familien zu nennen. Durch die Honorarkraft werden neue Methoden des wechselseitigen zirkulären Lernens erprobt. Die Fachgruppe dient auch der Reflexion der vorhandenen Angebote sowie der Entwicklung neuartiger Angebote. Perspektivisch wird sich die Fachgruppe "Team Gesundheit" noch stärker mit der Frühförderung und mit der Zunahme an neurodiversen Kindern beschäftigen. Zurzeit steht neben dem Ausbau des Fachteams noch das Thema Übergänge entlang der Präventionskette im Focus. Zu diesem Thema gibt es für Eltern der Kita Thedinghauser Str. ein Angebot. Veranstaltungsangebote finden sowohl bei Kooperations- wie Netzwerkpartnern statt.

Wie identifizieren Sie die spezifischen Bedürfnisse verschiedener Familien-Gruppen (z. B. Alleinerziehende, Familien mit Migrationshintergrund) und wie fließen diese Erkenntnisse in die Angebotserstellung ein? 

Beispielweise im Rahmen von 2-3-tägigen Familienseminaren wurden bisherige Angebote reflektiert und neue entwickelt. Hinzu kommen regelmäßige Reflexionstreffen. Ebenfalls im Fachteam Gesundheit findet eine regelmäßige Reflexion statt s.o.

Von welchen Familien wird das Angebot der Elternbegleitung am meistens angenommen, bzw. gebraucht?

Seit der 2. Förderphase konnten wir über die bereits beteiligten -vor allem syrische Familien-  hinaus auch mehr iranische und türkische Eltern als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren und Sprachmittlerinnen gewinnen, seitdem kommen auch mehr Eltern aus dem Iran und der Türkei.

Beschreiben Sie bitte den Prozess der Entwicklung passgenauer Angebote für Familien in besonderen Lebenslagen. Setzten Sie dafür bestimmte Methoden ein? 

Wir arbeiten viel mit Familienspielen, spielerisch orientierten Methoden. Entscheidend sind aber Sprachmittlerinnen und -mittler sowie Kinderbetreuerinnen und -betreuuer. Auch neuartige Lernorte helfen bei der Gewinnung neuer Familien und der Vertiefung der Zusammenarbeit. Dazu gehören Orte wie die Stadtbibliothek, Museen oder Bauernhöfe.

Wie sehen Sie die Entwicklung der Elternbegleitung in Bremen nach der zweiten Förderphase des Programms ElternChanceN?

Die Zusammenarbeit und Kooperation der im Netzwerk beteiligten Partner hat eine wesentlich neue Qualität bekommen. Die vertiefte kollegiale Zusammenarbeit verbessert auch die einzelnen Angebote. Über gemeinsame Aktivitäten hinaus geht es um gemeinsame Anregungen für die Arbeit, die Art der Ansprache der Eltern, die Form der Förderung der Kinder und Eltern bezogen auf den Übergang Kita-Schule, die Erleichterung des Übergangs „Kita-Schule“ für Kinder und Eltern, vor allem solche mit Migrations- oder Fluchthintergrund. Der gemeinsame Fachaustausch führt zu mehr gegenseitigem Verständnis und schnellstmöglicher Unterstützung der Familien z.B. bei Förderbedarf. Leider dauern Diagnosen immer noch viel zu lange.

Haben Sie abschließende Worte für erfolgreiche Elternbegleitung in der Kommune?

Der Stellenwert von Elternbegleitung und vor allem auch Vernetzung sowie kollegiale Beratung der beteiligten Institutionen als Präventionsansatz für die kindliche Entwicklung und die Integration der Familien in das deutsche Bildungssystem wird immer noch nicht hoch genug bewertet. Für die Elternarbeit in Schulen und Kitas stehen noch nicht ausreichende Kapazitäten bei immer neurodiverseren Kindern und Eltern bzw. Kindern mit Förderbedarf und schwierigem Sprachstand zur Verfügung.

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